Verlage und Agenturen erwarten Manuskripte und Leseproben in Normseiten. Eine volle Normseite besteht aus 30 Zeilen, in denen je maximal 60 Anschläge Platz finden. Das halbe Internet ist voll von Informationen über Normseiten, deshalb gehe ich nicht näher darauf ein. Dieser Artikel befasst sich stattdessen damit, wie man sie mit Hilfe von Scrivener und Word erstellen kann.

Normseiten mit Scrivener

In meinem letzten Artikel habe ich bereits beschrieben, dass ich gerne mit Scrivener arbeite und auch warum. Und obwohl man prinzipiell sein Manuskript aus Scrivener als Normseite exportieren kann, ist immer Nachbearbeitung nötig.

Ich habe hier mal die nötigen Arbeitsschritte beschrieben, um von Scrivener ausgehend zu einer Normseite in Word zu kommen, in der Hoffnung, dass es dem ein oder anderen hilft.

Zweigeteilter Workflow

Mein Workflow besteht aus zwei Schritten:

  1. Als Normseite aus Scrivener exportieren
  2. Nachbearbeitung in Word

Leider kommt man um die Nachbearbeitung in Word nicht herum.

Schritt 1: Exportieren ins Word-Format mit Normseiten-Layout

Ich gehe davon aus, dass du Scrivener bereits kennst und weißt, wie man Dokumente „zusammenstellt“, und gehe deshalb nicht näher darauf ein.

Die Einrichtung einer Normseite in Scrivener muss nur einmal ausgeführt werden. Danach kann man die Einstellungen als Vorlage sichern.

Ränder sowie Kopf- und Fußzeilen

Als erstes müssen wir die Normseite in Scrivener einrichten. Wir fangen an mit den Rändern. Dazu in der Sektion Seiteneinstellungen die Ränder wie gezeigt einstellen. Zu beachten ist dabei, dass ich beim rechten Rand nicht die allseits üblichem 4cm wähle, sondern nur 3,75cm, da sonst weniger als 60 Zeichen in eine Zeile passen. Warum im Internet überall 4cm rechter Rand angegeben werden, erschließt sich mir nicht.

An gleicher Stelle kannst du auch gleich deine Kopf- und Fußzeile definieren. Der Font sollte kleiner sein, als der des eigentlichen Texts. Ich wähle Courier Größe 9.

Scrivener bietet einige Platzhalter an. In der Kopfzeile rechts solltest du <$p>/<$pagecount> eingeben, um die aktuelle Seite sowie die Anzahl aller Seiten auszugeben.

Normseiten mit Scrivener

Kapitelüberschriften und Text

Als nächstes machen wir uns an die Formatierung der Kapitelüberschriften. Dazu in der Sektion Formatierung die Ebene 1+ auswählen. Im Binder werden alle Textelemente, die zur Ebene 1+ gehören gelb markiert. Dadurch kannst du sehen, welche Textelemente du gerade formatierst. Hier sind es die Kapitelüberschriften, die du mit Zeilenabstand 1,5 und der Schriftart Courier New in Größe 12 versehen musst. Ich formatiere die Kapitelüberschriften zusätzlich noch fett und zentriert.

Nun widmen wir uns dem eigentlichen Text. Dazu die unterste Ebene auswählen. In meinem Beispiel ist das Ebene 2+. Dort den Text ebenfalls mit Zeilenabstand 1,5 und Courier New 12 Punkt auszeichnen. Ich rücke die erste Zeile auch noch etwas ein, aber das ist Geschmacksache.

Klicke dann auf Optionen und der nachstehende Dialog erscheint. Hier wähle ich immer, dass die erste Zeile nach Leerzeilen nicht eingerückt werden soll. Damit beginnen Kapitel- und Szenen mit einer ersten Zeile, die ganz links sitzt.

Trenner

Nun kannst du die Trenner zwischen den einzelnen Szenen formatieren. Ich entscheide mich für eine einfache Leerzeile. Aber auch drei Sternchen o.Ä. sind möglich.

Als Vorlage sichern

Nun ist die Normseite grundlegend eingerichtet. Damit du das nicht jedesmal wiederholen musst, solltest du die Einstellungen als eigene Vorlage sichern. Klicke dazu oben bei „Format as“ auf das Dropdown-Menü, und wähle Voreinstellungen für Zusammenstellungsformate verwalten. Hier kannst du mit „+“ eine neue Vorlage erstellen. Ich nenne meine schlicht „Normseite“.

Als letzten Schritt in Scrivener exportieren wir den Text ins MS-Word-Format. Dazu unten bei Zusammenstellen für „Microsoft Word (.docx)“ auswählen und danach auf Zusammenstellen klicken.

Schritt 2: Nacharbeit in Word

Nun machen wir die nötige Nachbearbeitung in Word, die leider jedesmal anfällt, nachdem man sein Manuskript aus Scrivener exportiert hat.

Ich arbeite mit der aktuellen Version von Microsoft Office 365 auf dem Mac. Auf Windows sehen die Menüs evtl. anders aus, aber die Arbeitsschritte sollten identisch sein.

Zeilennummerierung

Als erstes solltest du die Zeilennummerierung einschalten.

Dokument konvertieren

Leider exportiert Scrivener zwar nach DOCX, aber nicht in die neueste Version dieses Formats. Das führt dazu, dass die Seitenumbrüche anders funktionieren. Konkret heißt das, dass ein Seitenumbruch immer in einer neuen Zeile steht.

Bildschirm: Seitenumbruch ohne Zeilennummer (OK)

Das alleine wäre nicht so schlimm, wenn dazu nicht ein nerviger Fehler von Word kommen würde. Denn obwohl dem Seitenumbruch in der eigenen Zeile auf dem Bildschirm keine Nummer zugewiesen wird, macht Word das sehr wohl beim Ausdruck oder Export nach PDF:

PDF/Ausdruck: Seitenumbruch mit Zeilennummer (Nicht OK)

Soviel zu WYSIWYG.

Um das Problem zu beheben, muss das Dokument zuerst in die aktuelle Version des DOCX-Formats konvertiert werden. Das geht denkbar einfach über Datei–>Dokument Konvertieren.

Seitenumbrüche korrigieren

Als nächstes müssen wir die Seitenumbrüche ersetzen, denn die Konvertierung hat die alten Seitenumbrüche nicht automatisch durch die neuen ersetzt. Dazu suchen und ersetzen wir „Absatzmarke + Seitenumbruch“ mit „Seitenumbruch + Absatzmarke“. Die nötigen Einstellungen sieht man im Screenshot.

Auf Alle ersetzen klicken und dann sollten die Seitenumbrüche da sein, wo sie sollten, nämlich am Ende einer Zeile, gefolgt von einem Absatzmarker, damit die nächste Seite mit einem eigenen Absatz beginnt. Das Ganze sollte so aussehen:

Absatzkontrolle

So, beinahe geschafft. Was jetzt noch fehlt, ist das Abschalten der Absatzkontrolle. Solange die an ist, zieht Word nämlich Absätze auf die nächste Seite, falls dort nur die letzte Zeile des Absatzes stünde. Das führt blöderweise dazu, dass die geheiligte Normseite auch mal weniger als 30 Zeilen haben kann.

Um die Absatzkontrolle zu deaktivieren, einfach den gesamten Text markieren, dann mit einem Rechtsklick das Kontextmenü aufrufen und dort Absatz wählen. Im Dialog dann die Absatzkontrolle deaktivieren.

Danach stehen auf jeder Seite wieder 30 Zeilen.

So, das war’s.

Fazit

Es könnte einfacher sein. Die vielen Einstellungen in Scrivener kann man zwar als Vorlage sichern, aber sobald man Änderungen am Text macht, muss man noch einmal exportieren und die ganze Nachbearbeitung in Word wiederholen. Leider habe ich bisher keine einfachere Lösung finden können.

2 Gedanken zu “Normseiten mit Scrivener und Word

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