Hier ist mein Jahresrückblick 2016.

Der Anfang

Schon lange wollte ich eigene Science-Fiction- und Fantasy-Romane schreiben und damit ein standortunabhängiges Einkommen erzielen. Aber ich traute es mir nie zu. Weihnachten 2015 (als der Leidensdruck schließlich groß genug war) habe ich beschlossen, alle Bedenken beiseite zu schieben und einfach mit dem Schreiben loszulegen — und zwar zuerst einmal nur mit Kurzgeschichten, um zunächst das Handwerk zu erlernen. Außerdem nicht gleich mit dem Ziel, meinen Lebensunterhalt damit bestreiten zu können.

Seitdem hat sich meine Perspektive auf das Schreiben maßgeblich verändert. Dachte ich früher noch, man müsse mindestens ein Studium der Literaturwissenschaften oder Germanistik durchlaufen haben, um Romane schreiben zu können, denke ich heute, dass Schreiben eine Kunst ist, in der man innerhalb des Kreislaufs von Übung und Rückmeldung kontinuierlich besser werden kann. Auch wurde mir klar, dass ich am Anfang nicht gleich komplette Romane schreiben muss. Stattdessen habe ich meine ersten Gehversuche mit Kurzgeschichten gemacht und bereits dabei eine Menge gelernt.

100.000 Wörter, um besser zu werden

Außerdem habe ich erkannt, dass man zum Schreiben kein mystisches Talent braucht (das ich mir auch stets selbst abgesprochen habe — wobei ein gewisses Talent im Umgang mit Texten sicher nicht schadet). Denn Schreiben lernt man nur auf eine einzige Art und Weise: durch Schreiben. Der Bestseller-Autor Andreas Eschbach benennt auf seiner Homepage 100.000 Wörter als Grenze, nach der ein Sprung in der Entwicklung des Schreibenden stattfindet. Alle 100.000 Wörter wird man besser — wenn das mal nicht ermutigend ist!

Erste Gehversuche bei den Wortkriegern

Nachdem ich mich also entschieden hatte, zuerst einmal mit Kurzgeschichten zu beginnen, habe ich umgehend meine erste Geschichte verfasst und mich noch Ende Dezember 2015 bei wortkrieger.de angemeldet. Ich wollte Rückmeldungen zu meinem Text bekommen. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass wortkrieger.de das wohl härteste Literaturforum Deutschlands ist. Dort erhält man Lob nur für wirklich gute Texte. Außerdem gibt es einen hohen Anspruch was die Grundlagen betrifft (Rechtschreibung, Grammatik, Formatierung, Logik) — einfach mal den Text runter tippen und einstellen, um ein „Hast du aber gut gemacht“ zu ernten, geht dort ganz sicher nicht.

Da sind keine galaktischen Super-Schweine im Orbit

Gerade das Thema Logik hat mich einige Nerven gekostet. Denn beim Schreiben der Geschichten dachte ich mir, niemand würde nachfragen, warum dies und jenes so und so sei. Aber falsch gedacht, denn danach fragen bei den Wortkriegern alle! Als Beispiel sei hier meine schöne Geschichte vom „Grünen Planeten“ genannt, auf dem gigantische Pflanzen ihre Tentakel bis in den Orbit schießen lassen, um ein dort befindliches Raumschiff auf die Oberfläche zu reißen. Tolle, fantasievolle Idee, dachte ich und hatte diese Szene bildhaft beschrieben. Aber auf die Rückfrage, warum die Pflanzen denn überhaupt bis in den Orbit reichen könnten, was sie da denn üblicherweise fangen würden, hatte ich keine Antwort. Und die hämische Frage, ob dort denn galaktische Super-Schweine ihr Unwesen trieben, ließ ich unbeantwortet. Aber ich verstand: auch bei fantastischen Geschichten erwartet der Leser, dass diese Hand und Fuß haben.

Man kann davon ausgehen, dass wenn man bei den Wortkriegern eine Geschichte einstellt, man hauptsächlich gesagt bekommt, was nicht gut ist. Frustrierend, oder? Nein, keinesfalls! Denn wenn ich eines kapiert habe, dann dass man nur aus dieser Art von Rückmeldung besser wird. Und wenn man sich als Autor kooperativ verhält, dann geben sich die Kritiker auch Mühe, einem weiterzuhelfen. Man bekommt dann relativ genau erklärt, was an dem Text wie geändert werden müsste, damit er besser wird. Und genau darum geht es in dem Forum: es ist eine Textwerkstatt, in der gemeinsam an einem Text gearbeitet wird.

Nirgends habe ich mehr über das Schreiben von Kurzgeschichten gelernt als bei wortkrieger.de.

Weiterbildung mit Ratgeber

Schreibratgeber gibt es wie Sand am Meer. Natürlich wollte ich mir auch einen zulegen und habe mich für „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von James N. Frey entschieden. Plakativer Titel? Aber Hallo! Die erste Frage, die man sich beim Lesen des Titels stellt, ist: wenn dieser Typ weiß, wie man einen verdammt guten Roman schreibt, warum hat er dann nicht massenweise Bestseller in den einschlägigen Listen und genießt nun sein Leben Cocktail-schlürfend unter Palmen?

Nun, die Antwort dazu habe ich mittlerweile verstanden. Denn es gibt sicher eine Reihe verdammt guter Romane, die in der Masse der Neuveröffentlichungen schlicht unter gehen. Und es gibt sicher auch viele Bestseller, die gar keine guten Romane sind … Und irgendwo dazwischen gibt es wahrscheinlich auch richtig gute Romane, die zu Bestsellern wurden — niemals aber gibt es eine Garantie, dass ein Buch, so gut es auch sein möge, erfolgreich sein wird.

Ich kann den Ratgeber auf alle Fälle weiterempfehlen, denn er erklärt auf anschauliche Art und Weise, was einen guten Roman ausmacht. Und wenn man die darin beschriebenen Zusammenhänge erst einmal verinnerlicht hat, entdeckt man viele davon auf einmal in den Büchern, die man selbst gut findet. Der Mann weiß also, wovon er spricht.

Erfolge bei Schreibwettbewerben

Als wettbewerbsorientierter Mensch wollte ich natürlich wissen, wo ich stehe, und habe gleich im ersten Quartal meiner Autorenschaft eine Kurzgeschichte bei einem Schreibwettbewerb eingereicht — und diesen prompt gewonnen. Wow! Das hat mir Motivation und Auftrieb gegeben, denn so schlecht konnte ich also nicht sein, das war mir nun klar.

Eine weitere Geschichte konnte ich im November platzieren und habe so 2 Geschichten bei insgesamt 4 Wettbewerben unterbringen können. Das entspricht einer Quote von 50%, was ich gar nicht schlecht finde. (➠ zu den Wettbewerben)

Neben dem Streicheln des Egos, war natürlich Ziel der Übung, Kontakte zu knüpfen und erste Einblicke in die Arbeit mit Verlagen zu erhalten. So habe ich mittlerweile mein erstes Lektorat hinter mir, was eine recht interessante Erfahrung war.

Ausblick

Auch 2017 werde ich fleißig schreiben. Mein erstes Ziel ist die Fertigstellung eines Fantasy-Kurzromans für einen Wettbewerb bei dem attraktive Preise winken. Auch einen vollumfänglichen Roman habe ich bereits begonnen, aber das Projekt erst einmal hinten angestellt, da nach den Kurzgeschichten der Kurzroman für mich den nächsten logischen Schritt darstellt.

Im Februar 2017 wird dann das erste Buch mit einer Geschichte von mir erscheinen, auf das ich mich schon sehr freue. Ansonsten warte ich einfach ab und harre der Dinge, die 2017 für mich bereit hält.

Mein Jahr 2016 in Zahlen

Was? Wie viel?
Wettbewerbsteilnahmen/Erfolge 4/2
Fertiggestellte Kurzgeschichten 12
Angefangene Romane 1
Angefangene Kurzromane 1
Geschriebene Zeichen 506.925
Geschriebene Wörter 81.492
Geschriebene Normseiten ~340
Geschriebene Wörter pro Tag 223
Geschriebene Normseiten pro Tag ~0.93

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