In dem mehrwöchigen Schreibkurs, den ich gerade besuche, wurde uns die Frage gestellt, was uns vom Schreiben abhält. Konkret diente diese Übung der Selbstreflexion. Im nächsten Schritt wurden wir gefragt, was man gegen die Gründe unternehmen könne, die einen vom Schreiben abhalten – und bei einem komme ich nicht weiter.

Folgende drei Gründe halten mich normalerweise vom Schreiben ab.

  1. Die Angst vorm leeren Blatt
    Die Szene ist definiert, ich weiß, was geschehen soll, aber es ist so schwierig, einzusteigen. Wie sieht es dort aus? Wie kommen die Figuren auf das entscheidende Thema zu sprechen?
    Wenn der Einstieg einmal geschafft ist, fließt der Text meist wie von alleine. Doch bis es soweit ist, schaue ich gerne misstrauisch in Richtung iMac, anstatt mich davorzusetzen.
  2. Zweifel an der Sinnhaftigkeit
    Wird der Text überhaupt veröffentlicht/gelesen?
    Wozu der ganze Aufwand?
  3. Der „schwere Kopf“

Während ich für die Punkte 1 und 2 schnell Methoden gefunden habe, sie zu umgehen bzw. daran zu arbeiten, dass es besser wird, habe ich keine Idee wie ich mit Nr. 3 umgehen soll. Denn ich weiß gar nicht, woher das kommt.

Was ist der „schwere Kopf“?

Ein merkwürdiger Ausdruck, ich weiß. Ich kann es aber nicht besser beschreiben. Damit meine ich ein Gefühl, das ich typischerweise in zwei Situationen meines Alltags habe:

  • Direkt nach dem Aufstehen
  • Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme

Mein Kopf fühlt sich dann eben schwer an. Und damit meine ich nicht den Schädel, sondern den Verstand. Physisch fühlt es sich so an, als ob Druck auf meinem Gehirn lastete, allerdings ohne schmerzhaft zu sein oder auf eine andere Art und Weise unangenehm. Es ist nur völlig undenkbar, in diesem Zustand etwas zu tun, das Konzentration erfordert – zumindest nicht ohne massive Selbstüberwindung.

Vor der Arbeit zu schreiben, wie es viele Schriftsteller tun (John Grisham ist immer um 05:00 Uhr morgens aufgestanden, um genau das zu tun), scheint mir vollkommen unmöglich. Ich stehe täglich um 7:00 Uhr auf. Bis ich einen klaren Gedanken fassen kann, dauert es in der Regel bis 9:00 Uhr. Dann sitze ich an meinem Schreibtisch – wohlgemerkt im Büro, nicht daheim.

Am Wochenende ist die Situation ähnlich. Bevor ich schreiben kann, muss nach dem Aufstehen etwas Zeit vergehen. Meist bin ich dann erst einmal mit Cedric Sturmbluth unterwegs und gehe danach einkaufen, bevor ich schreiben kann. In beiden Fällen muss ich sich mein Körper bewegt haben, bevor mein Gehirn sich ebenfalls in Bewegung setzt.

Wenn ich unter der Woche von der Arbeit nach Hause komme, ist die Situation nicht anders. Der Kopf fühlt sich schwer an. Ich habe zu diesem Zeitpunkt acht bis zehn Stunden gearbeitet und als Projektmanager Probleme gelöst – reinste Kopfarbeit. Mein Gehirn ist nach stundenlangem konzentriertem Arbeiten einfach platt.

Tatsächlich sind die kurzen Phasen nach der Arbeit und vor dem Schlafengehen meine produktivsten.

Meist dauert es dann zwei Stunden, bis ich wieder konzentriert arbeiten kann. Aber da ich bereits um 22:00 Uhr ins Bett gehe, ist die Zeitspanne am Abend, in der ich schreiben kann, sehr kurz. Klappt aber meist. Tatsächlich sind die kurzen Phasen nach der Arbeit und vor dem Schlafengehen meine produktivsten.

Was tun gegen den „schweren Kopf“?

Ich habe bisher noch nicht herausgefunden, wie es zum schweren Kopf kommt. Fehlen mir Nährstoffe am Morgen und abends nach der Arbeit? Ist es normal, dass das Gehirn erst in Trab kommt, wenn der Körper sich eine Weile bewegt hat? Hat das Gehirn einen Bootvorgang wie ein PC und ich noch einen 8086-Prozessor?

Wer kennt den schweren Kopf noch? Und welche Strategien wendet ihr dagegen an? Oder macht ihr es wie ich, nehmt es einfach hin und plant euren Schreiballtag darum herum?