In den wenigen Jahren, die ich nun schreibe, habe ich bereits einige Lektoratserfahrungen machen dürfen. Allerdings unterschieden sich alle deutlich voneinander, weshalb ich davon berichten möchte.

Als mein Leidensdruck Weihnachten 2015 zu groß wurde und ich beschloss, endlich mit dem Schreiben anzufangen, legte ich mir einen Plan zurecht: ich wollte vom Kleinen ins Große gehen. Mich zunächst an Kurzgeschichten versuchen, bei denen nicht allzu viel Zeit verschwendet wird, wenn man – gerade am Anfang – Mist schreibt. Nicht zuerst einen Roman schreiben, nur um nach dreihundert Seiten festzustellen, dass ich alles falsch gemacht habe.

Ebenfalls mit Kurzgeschichten wollte ich meine ersten Erfahrungen in der Arbeit mit Verlagen machen, was ja auch gut geklappt hat. Und ein nicht unerheblicher Bestandteil in der Arbeit mit Verlagen ist natürlich das Lektorat.

Es ging gleich gut los

Im Februar 2017 hat der Sternensand Verlag meine Fantasy-Kurzgeschichte »Ruhmreich« in seiner Anthologie »Winterstern« veröffentlicht. Eine rundum zufriedenstellende Erfahrung. Angefangen bei der tollen Kommunikation mit Verlegerin Corinne, einem sehr engagierten Veröffentlichungskonzept, bis hin zu Whisky-Fachsimpeleien mit Corinnes Mann Andi. Und natürlich einem sehr gutem Lektorat.

Es gab Vorschläge und Lob

Was aber hat dieses Lektorat gut gemacht? Nun ja, zwei Dinge: zum einen hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, dass mir Lektorin Martina ihren eigenen Stil aufdrücken wollte, und zum anderen, dass ihre Änderungsvorschläge sehr offen gefasst waren. Kein »Schreib das besser so«, sondern eher fragend formuliert: »Kannst du etwas genauer beschreiben, wie das abläuft?« Außerdem war hin und wieder Lob eingestreut, was natürlich Balsam auf der geschundenen Autorenseele bedeutet.

Am Ende hat meine Geschichte deutlich vom Lektorat profitiert und ich habe mich sehr gut betreut gefühlt.

Danach ging’s bergab

Danach, allerdings, ging es bergab – zumindest was die Lektorate angeht, denn Kurzgeschichten konnte ich weiterhin in Anthologien platzieren.

Zunächst einmal gab es das Kein-Lektorat. Geschichte genommen wie sie ist, abgedruckt, fertig. Ehrlich gesagt, damit kann ich leben. Kein Eingriff in mein künstlerisches Schaffen, das ist OK. Allerdings hat sich meine Geschichte dadurch natürlich auch nicht verbessert. Kein Lektorat anzubieten, kann ich bei Kleinverlagen aber durchaus verstehen – ein Lektorat, ein gutes Lektorat, kostet eben auch eine Menge Geld.

Keine zwei Zeilen blieben unkommentiert

Mein nächstes Lektorat war – sagen wir einmal – äußerst gründlich. Keine zwei Textzeilen blieben unkommentiert. Hier hatte ich durchaus das Gefühl, dass mir die Lektorin ihren eigenen Stil aufdrücken wollte, im Sinne von: »Der Autor hat keine Ahnung, ich kann das besser.« Einleitend wurde ich darauf hingewiesen, dass die Verwendung von »war« oder »hatte« zu vermeiden sei, weil es sich dabei um »Verbfaulheit« handele. Mag ja sein, nur blöderweise hat die Lektorin dann einfach ebenfalls alle Vorkommen der Vorvergangenheit gelöscht. Die benötigt man aber, wenn man im Präteritum erzählt und etwas vermitteln möchte, das in der Vergangenheit bereits abgeschlossen wurde.

Ich bin der Meinung, die Lektorin hat einfach die Stilanalyse von »Papyrus Autor« angeworfen und dessen falsche Anzeigen einer vermeintlichen »Verbfaulheit« übernommen. Naja.

Glücklicherweise sind derartige Vorschläge nicht verpflichtend und ich konnte die unsinnigsten Änderungen einfach verwerfen. Und zur Ehrenrettung der Lektorin sei gesagt, dass ich dadurch gelernt habe, dass man in manchen Fällen tatsächlich auf die Vorvergangenheit verzichten kann – was den Text flüssiger zu lesen macht.

Und dann der Hammer

Die wirklich schlechteste Erfahrung machte ich mit einem Lektorat, das komplett ohne Absprache stattfand. Der Verlag hat meine Kurzgeschichte einfach umgeschrieben, ohne mir vor dem Druck das Ergebnis zur Freigabe vorzulegen. Tatsächlich fand ich im Vertrag eine Klausel, in der sich der Verlag »kleinere Änderungen« vorbehielt. Hätte ich gewusst, was da auf mich zukommt, ich hätte den Vertrag nicht unterschrieben ohne ihn vorher ändern zu lassen.

Mir rollen sich die Zehnägel hoch!

Wo vorher ein neutrales »sagte« stand, hat der Lektor unsinnige Inquit-Formeln eingefügt, wie:

»…«, schüttelte er den Kopf.

oder

»…«, verharrte er.

Bei einer derartigen Sprachverunstaltung rollen sich mir die Zehnägel hoch! Denn man sagt etwas. Man fragt etwas. Man antwortet etwas. Aber verdammt noch mal, man verharrt nichts, man sprudelt nichts los und man schüttelt nichts den Kopf. Über diese Änderungen habe ich mich furchtbar aufgeregt, denn so schreibe ich nicht!

Gekrönt wurde dieses »Lektorat« durch zwei neue Rechtschreibfehler, die es in meinem Originaltext nicht gab.

Fazit

Bis auf meine erste Lektoratserfahrung muss ich sagen, dass ich nicht zufrieden bin. Wenn mein Text geändert wird, dann muss er davon gewinnen – sprachlich wie inhaltlich. Ich lasse mich gerne davon überzeugen, dass man etwas besser machen kann. Aber ich brauche keinen Lektor, der mir einfach seinen Stil aufdrücken möchte, oder gar einen, der Fehler einbaut, sich nicht mit mir abspricht und dadurch den Text objektiv schlechter macht.

Ich hoffe, es wird in der Zukunft besser.

Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Wer bessere? Schreibt es in die Kommentare!

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