Als ich Ende 2015 beschloss, endlich meine eigenen Bücher zu schreiben, schien mir der Weg, den ich gehen wollte, klar zu sein: Buch schreiben, Verlag finden, veröffentlichen lassen, Leser finden. Heute, drei Jahre später, möchte ich immer noch Bücher schreiben, bin mir aber nicht mehr sicher, ob ich sie über einen Verlag veröffentlichen will oder nicht. Meine Gedanken dazu möchte ich in diesem Artikel wiedergeben.

Was für einen Verlag spricht

VerlagWenn ein ordentlicher Verlag (kein Druck­kost­en­zu­schuss­ver­lag) das eigene Buch veröffentlicht, dann übernimmt dieser sämtliche Kosten dafür und trägt damit das unternehmerische Risiko. Ist das Buch ein Flop, hat der Autor kein Geld verloren.

Das Lektorat verschafft dem Text Marktreife.

Was heißt das? Der Verlag bezahlt in der Regel ein Lektorat, das dem Text „Marktreife“ verschafft. Dabei geht es nicht nur um sprachliche Aspekte, sondern es werden auch Logikfehler und Dellen im Spannungsbogen ausgemerzt – eine maßgebliche Maßnahme, um ein Buch „richtig gut“ zu machen, denn dem geneigten Autor fehlt häufig die professionelle Distanz zum eigenen Text.

Neben dem Lektorat entstehen noch Kosten für das Korrektorat, denn entgegen der landläufigen Meinung, dass ein Lektorat nur dazu dient, Rechtschreib- und Grammatikfehler zu finden, ist dies Aufgabe des abschließenden Korrektorats.

Weitere Kosten entstehen für Druck, Vertrieb und natürlich für Werbung, damit potentielle Leser überhaupt von dem Buch erfahren. Ein Verlag bringt hier eine gewisse Reichweite mit, sei es über Messen, Kataloge oder Social Media. Zusammen mit dem Know-How, wie ein marktübliches Cover und ein die Zielgruppe ansprechender Titel auszusehen hat, gelingt es dem Verlag meist besser als dem Autoren, ein verkaufsfähiges Produkt zu schaffen.

Was gegen einen Verlag spricht

Pro und ContraKlingt gut? Ist es auch, vorausgesetzt man findet überhaupt einen Verlag, der mit einem zusammenarbeiten möchte, denn ein Verlag ist ein gewinnorientiertes Unternehmen, das seine Mitarbeiter entlohnen möchte, und sucht sich seine Manuskripte deshalb sehr genau aus – nach Kriterien, die nicht unbedingt auf das eigene Schaffen zutreffen. Selbst wenn man qualitativ hochwertige Manuskripte abliefert – packende Geschichten mit dramatischen Spannungsbögen und mitreißenden Figuren –, greift der Verlag vielleicht nicht zu, wenn der Markt gerade nach flachen Vampirromanzen verlangt. Und selbst wenn man liefert, was der Markt möchte, so machen das neben einem selbst noch hundert andere Autoren.

Auch mit Verlagsvertrag gibt es eine Reihe von Problemen.

Gehen wir aber einmal von dem Fall aus, einen Verlagsverlag ergattert zu haben. Auch dann gibt es noch eine Reihe von Problemen, die auf einen zukommen. Zum einen arbeitet nicht jeder Verlag so, wie in der idealen Welt vorgesehen. Das Lektorat kann schlampig sein oder auf das Korrektorat verzichtet werden. Über meine eher durchwachsenen Erfahrungen mit Verlagslektoraten habe ich je bereits berichtet.

Zum anderen ist bei Kleinverlagen die Reichweite begrenzt und das Werbebudget klein. Häufig sind es Ein-Mann/Frau-Unternehmen, die – mit viel Herzblut und Leidenschaft – sich gerade so über Wasser halten. Ob man dann die erhoffte Reichweite erzielt, ist fraglich.

Außerdem – und das würde mich bei einer Verlagsveröffentlichung am meisten stören – ist das fehlende Mitspracherecht ein Problem. Das Manuskript kommt von mir, klar. Aber der Verlag will damit ja Geld verdienen. Er muss es sogar. D.h. er wird alles dafür tun, das Buch a) an sein Programm anzupassen und es b) so zu gestalten, dass es eine möglichst große Anzahl an Käufern anspricht.

Was bedeutet das konkret? Nun ja, der Verlag bestimmt das Cover. Punkt. Wenn man Glück hat, gefällt es einem. Oder man darf gnädigerweise mit auswählen. Aber das letzte Wort hat der Verlag. Das Gleiche beim Titel. Man reicht sein Manuskript mit einem „Arbeitstitel“ ein – wie das Buch letztendlich bei der Veröffentlichung heißt, entscheidet der Verlag.

Auch inhaltlich wird der Verlag eingreifen. Braucht es diese Action-Szene? Trägt die Sex-Szene zur Handlung bei?

Wie viel davon ist noch mein Buch?

Das sind schon Punkte, an denen ich ganz schön zu knabbern hätte. Wie viel davon ist noch mein Buch, wie viel das „Produkt“ des Verlags?

Was die Gefahr beim Self Publishing ist

GefahrWenn man also bei einem bekannten Publikumsverlag mit großer Reichweite und hohem Werbebudget nicht unterkommt, man bei einem Kleinverlag nicht wesentlich mehr Werbung erwarten kann, als man selbst machen würde, und es einen soundso stört, dass der Verlag bei Titel, Cover und Manuskript mitreden will, dann liegt es doch auf der Hand, das Buch selbst zu veröffentlichen, oder?

Oder?

Die größte Gefahr ist die fehlende Qualitätskontrolle.

Ganz so einfach ist es nicht. Denn Self Publishing birgt Gefahren. Als erstes zu nennen ist hierbei die (fehlende) Qualitätskontrolle. Wenn der Verlag keinen Druck macht, wer kümmert sich dann darum, dass das Manuskript auch wirklich gut wird? Wie oben beschrieben, möchte ein Verlag Geld mit einem Buch verdienen. Dadurch findet bereits bei der Manuskriptannahme eine Selektion statt, die kommerziell erfolgversprechende von weniger erfolgversprechenden Texten trennt.

Man kann immer noch sagen, dass das eigene Buch den Geschmack der Masse halt nicht trifft, aber dennoch gut ist. Klar, kann man. Jeder Autor ist von seinem „Baby“ überzeugt. Letztendlich ist aber ein Lektorat notwendig, um einen Text zu polieren. Nicht nur die holprige Sprache, die einem selbst nicht auffällt, wird dabei ausgebügelt, sondern auch der Spannungsbogen, die Figurenzeichnung und die Atmosphäre. Ich bin sicher, dass jeder Roman, der nicht zumindest so etwas Ähnliches wie ein Lektorat erfahren hat (z.B. fachkundige Testleser), objektiv schlecht ist. Ein anderer Blickwinkel als der des Autoren ist notwendig.

Ein Lektorat kostet einiges.

So ein Lektorat kostet aber Geld. Einiges. Ich rechne mit etwa 2000€ für ein Manuskript von 350-400 Seiten. Bei einer Marge von 1-2€ pro verkauftem Buch muss man also mindestens 1000-2000 Bücher verkaufen, allein um die Kosten für das Lektorat wieder reinzuholen – 1000-2000 Bücher!

Dann halt ohne Lektorat, oder? Testleser tun’s doch auch. Bei einigen mag das klappen. Wenn man 1-2 Personen hat, die bereit sind, immer wieder ganze Romane zu lesen und ihre – fachkundige – Meinung dazu abzugeben, dann ist das schon mal hilfreich. Ein professionelles Lektorat ersetzt das aber nicht. Ein professioneller Lektor macht eben genau das: professionell lektorieren.

Im schlimmsten Fall kommt also ein Buch auf den Markt, das einfach nur eines ist: schlecht. Und machen wir uns nichts vor, diese Bücher gibt es. Bei KDP veröffentlicht man heute innerhalb von wenigen Minuten sein Buch als eBook und als Taschenbuch. Und viele davon sind einfach qualitativ nicht … gut. Und das, obwohl die Autoren sich sicher Mühe gegeben haben und überzeugt sind von ihrem Werk.

In diese Falle möchte ich eigentlich nicht tappen. Auch ich bin überzeugt von meinen Büchern. Natürlich. Zu viel Herzblut steckt darin. Sind sie aber wirklich gut? Auch ohne professionelle Hilfe? Und wie viele Leser kann ich erreichen, wenn ich mich selbst um die Werbung kümmere?

Ich habe Zweifel.

Wie es nun weiter geht

Großverlage bieten Reichweite und Qualitätskontrolle. Ich bin jedoch nicht überzeugt davon, dass es mir gelingen wird, einen Programmplatz einer der großen Publikumsverlage zu ergattern. Den Weg über eine Agentur bis zu einem Großverlag sehe ich im Moment nicht. Zu hoch ist die Konkurrenz, zu gering meine Erfahrung als Schriftsteller, zu groß die Erwartungshaltung an mich als semi-professionellen Autor, der einen anderen Vollzeitjob hat und daneben nicht unbedingt jedes Jahr einen Programmplatz füllen möchte, sondern schreiben will, was und wann es ihm gefällt.

Ich bin nicht bereit, mir in Dinge wie Titel, Cover und Inhalt reinreden zu lassen.

Und ich bin nicht bereit, mir von einem Kleinverlag – mit dem ich wahrscheinlich nur unwesentlich mehr Verkäufe erzielen würde, als es mir als Self Publisher gelänge – in Dinge wie Titel, Cover und Inhalt reinreden zu lassen. Warum sollte ich dies tun?

Wird im Self Publishing erscheinen: Die dritte Programmierung

Also werde ich im Self Publishing weitermachen. Mit dem Ziel, auf lange Sicht ein Höchstmaß an Qualitätskontrolle sicherzustellen. Zu Anfang mit Testlesern und Vierfach-Überarbeitung des Manuskripts. Später, wenn ich Geld eingenommen habe, werde ich es in professionelle Lektorate investieren. Jedes Buch soll qualitativ besser werden als das vorherige.

Die Kosten für Cover und Satz kann ich glücklicherweise durch viel Eigenleistung gering halten, weshalb ich meine Einnahmen in die Qualitätskontrolle reinvestieren möchte. Und selbst wenn ich das auslagere: der Kostentreiber ist das Lektorat.

Bleibt die Werbung: erreiche ich nicht genug Leser, nehme ich nicht genug Geld ein, um die nächste Stufe zu erreichen. Hier möchte ich mich weiterbilden, um mein Buch an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

So weit so gut. Wir werden sehen, was die Zeit bringt. Wünscht mir Glück!


So und jetzt seid ihr dran. Wer hat schon einmal ähnliche Überlegungen angestellt? Zu welchen Schlüssen seid ihr gekommen?

2 Gedanken zu “Am Scheideweg: Self Publishing oder Verlag?

    1. Hallo Susan,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe mich für KDP entschieden. Zum einen möchte ich meine erste Veröffentlichung nicht zu komplex gestalten und binde mich deshalb an einen einzigen Anbieter. Zum anderen möchte ich KDP Select nutzen, das eine exklusive Bindung an Amazon voraussetzt.
      Später, wenn ich erfahrener bin, gestalte ich meine Veröffentlichungen vielleicht komplexer. Das eBook bei jenem Anbieter, das Taschenbuch bei diesem.

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