Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Dennoch tue ich genau das, denn als Schriftsteller sage ich: jedes neue Buch sorgt dafür, dass Bäume abholzt werden. Und nun? Dazu gleich. Zunächst haken wir erst einmal den Titel dieses Artikels ab: der ist natürlich reinstes Clickbaiting :-)

70 000 neue Bücher pro Jahr

In einem Bücherforum habe ich letztens die Frage gestellt, ob wir wirklich jedes Jahr 70 000 neue Bücher brauchen, und bin auf totales Unverständnis gestoßen. Naja, in einem Bücherforum vielleicht nicht außergewöhnlich. Genauso gut hätte ich in einem Autoforum Autos in Frage stellen können.

Wir bräuchten keine neuen Bücher, wenn wir zunächst alle alten lesen würden

Mir ging es aber zunächst um eines: wenn jedes Jahr 70 000 neue Bücher erscheinen, dann werden die mit Sicherheit nicht alle gelesen. Selbst im jeweiligen Subgenre bleiben Jahr für Jahr genug Bücher übrig, die nicht alle potentiellen Leser erreichen. Teilweise werden diese Bücher in privaten Regalen gesammelt, teilweise gelangen sie in den Gebrauchtmarkt und teilweise werden sie vernichtet. Würden jedoch alle Bücher im Umlauf bleiben, dann bräuchten wir mit Sicherheit keine 70 000 neue jedes Jahr. Also mal rein von den Zahlen gesprochen. Es gibt ja genug Bücher – gerade in der Science Fiction – die gesellschaftliche Relevanz haben und es wichtig ist, dass sie erscheinen. Genauso gibt es aber auch Bücher, die nicht wirklich wichtig sind, abgesehen von dem Umstand, dass sie unterhalten. Aber hier gäbe es ja – wie gesagt – genug alte Bücher aus den Vorjahren, ja, aus den Vorjahrzehnten, die genauso gut unterhalten könnten, aber keine neuen Leser mehr erreichen.

Knapp 500 000 tote Bäume pro Jahr

Und jedes neue Buch, zumindest jedes gedruckte Buch, kostet Bäume das Leben. Ute Kranz hat sich auf ihrem Blog die Mühe gemacht und mal nachgerechnet. Sie kommt auf 3-7 Bäume, die für eine Auflage von 5 000 Büchern dran glauben müssen. Das ganze mal 70 000 neue Bücher … ergibt 210 000 – 490 000 tote Bäume. Pro Jahr.

Was also tun?

Keine neuen Bücher mehr schreiben? Nein. Darauf will ich sicher nicht hinaus. Mir geht es nicht um das Schreiben von Büchern. Auch nicht um das Veröffentlichen. Mir geht es um das Drucken. Nicht jedes Buch muss in gedruckter Form erscheinen. eBooks erscheinen mir in Zeiten von Umwelt- und Klimaschutz die passende Alternative. Und ich wundere mich, dass es hier noch keinen Aufschrei gab. Ich will gar nicht erst anfangen, die Zahl toter Bäume zu bestimmen, wenn man noch Magazine und andere Druckerzeugnisse dazurechnet …

Print on Demand

Wenn es aber unbedingt ein gedrucktes Buch sein muss, dann scheinen mir Print-on-Demand-Lösungen effizienter zu sein, wenn es darum geht, nur die wirklich notwendigen Ressourcen zu verwenden. Denn gedruckt wird hierbei nur, was auch bereits verkauft wurde, während bei den klassischen, auflagenbasierten Veröffentlichungskonzepten zunächst eine bestimmte Anzahl gedruckt wird, ohne vorher zu wissen, ob auch alle verkauft werden – eine potentielle Verschwendung von Rohstoffen, die aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

Was ich nun mache

Höre ich nun auf, Bücher zu schreiben? Veröffentliche ich nur noch eBooks? Nein. Niemand muss aufhören Bücher zu schreiben, um die Umwelt zu schonen. Aber ich lasse meinen Lesern die Wahl, biete eBooks an und die gedruckten Ausgaben meiner Bücher entstehen nur bei Bedarf, um keine Rohstoffe für eine Auflage zu verschwenden, die vielleicht am Ende teilweise vernichtet werden muss.

Verhalten als Leser

Jeder kann ein Zeichen setzen

Viel wichtiger aber – und hier kann jeder einen Beitrag leisten und ein Zeichen setzen – ist mein Konsumverhalten als Leser. Natürlich werde ich nicht auf neuen Lesestoff verzichten. Bücher bringen mir Freude und bilden mich weiter. Wer liest, bleibt länger geistig fit. Aber Neuerscheinungen werde ich nur noch als eBook beziehen. Und wenn es doch mal ein gedrucktes Buch werden soll, dann wird es sicher ein gebrauchtes werden. Ich werde den Buchhändlern (und damit den Verlagen) keine neuen Bücher mehr abkaufen. Stattdessen werde ich den Zweitmarkt stärken.

Bücherregal Verbot
Es gibt wenig Unsinnigeres, als gelesene Bücher daheim im Regal zu horten

Außerdem werde ich meine Bestandsbücher verkaufen, damit sie neue Leser finden können. Ausnahmen gibt es nur für Bücher, die mir etwas bedeuten, wie z.B. meine Herr-der-Ringe-Ausgabe, die mir mein Bruder geschenkt hat. Der Rest aber kommt wieder auf den Markt. Ich finde, es gibt wenig Unsinnigeres, als gelesene Bücher daheim im Regal zu horten – wie oft liest man ein Buch schon zweimal?

Fazit

Gedruckte Bücher kosten Bäume das Leben. In Zeiten von Umwelt- und Klimaschutz ein Unding. Als Leser sollte man gedruckte Bücher dem Gebrauchtmarkt entnehmen oder auf die ressourcenschonende Alternative eBook zurückgreifen.

Wie seht ihr das? Habt ihr euch schon einmal Gedanken zum Thema gemacht?

 

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